Was es bei Investitionsabzügen zu beachten gilt

Was es bei Investitionsabzügen zu beachten gilt

Das deutsche Steuerrecht versteht unter dem Investitionsabzugsbetrag einen Absetzbetrag speziell für geplante Investitionen. Damit sind nicht bereits durchgeführte Investitionen gemeint wie etwa der Kauf einer Computeranlage, die bereits bezahlt und im Unternehmen eingesetzt wird. Es geht um künftige Investitionen, für die ein Betrieb sozusagen Geld auf die Seite legt.

Dieser Investitionsabzugsbetrag (er unterliegt § 7g des EStG) ersetzt seit der Unternehmenssteuerreform im Jahr 2008 die früher gültige Ansparabschreibung.

Wozu benötigen Unternehmen diesen Abzugsbetrag?

Der Investitionsabzugsbetrag ist ein sehr nützliches Instrument. Damit verlagern Betriebe ihre Abschreibungen in ein Wirtschaftsjahr vor. Die Anschaffung und Herstellung dieses Guts kann dann später erfolgen. Damit lässt sich im Jahr der Geltendmachung die Steuerbelastung senken. Wer diese Möglichkeit geschickt ausnützt, kann über die Jahre gerechnet Steuern sparen Da die Steuern gestundet werden, profitiert zudem die Liquidität eines Betriebs.

Wo kann man als Firma den Investitionsabzugsbetrag nun steuertechnisch unterbringen? Dieser Posten muss abseits der Steuerbilanz aufscheinen, bzw. abseits der Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Früher war das anders geregelt. Die alte Ansparabschreibung wurde innerhalb der Bilanz gemacht.

Die alte Rechtslage bis 2006

Die Ansparabschreibung war ein Instrument für kleine und mittlere Unternehmen. Sie konnten damit vorausschauend in ihrer Steuererklärung neue Wirtschaftsgüter oder andere Investitionen unterbringen. Sie bildeten auf diese Weise den Gewinn mindernde Rücklagen. Die Rücklagen bezeichnete der Gesetzgeber als Ansparabschreibung.

Die Höhe dieser Abschreibung war beschränkt. Sie durfte höchstens 40 Prozent der Herstellungs- oder Anschaffungskosten der künftigen Investition betragen. Und zwar für einen Zeitraum innerhalb der folgenden zwei Jahre. Für Existenzgründer lag diese Frist bei fünf Jahren. Die Höhe der Rücklagen für Investitionen durfte maximal 154.000 Euro betragen. Für steuerpflichtige Existenzgründer lag dieser Wert bei 307.000 Euro.

Die Ansparabschreibung schrieb außerdem vor, dass diese Rücklagen tatsächlich verwendet werden mussten. Gab es keine Investitionen, musste das Geldpolster wieder aufgelöst werden. Falls die Anschaffungskosten unter dem geplanten Wert liegen, erhöht sich ebenfalls der Gewinn.

Der Zweck der Anschaffung darf nicht beliebig verändert werden. Werden also Rücklagen für ein Firmenauto gebildet, darf aus dem Pkw später nicht so ohne weiteres ein Lastkraftwagen werden.

Die neue Rechtslage nach der Steuerreform 2008

Mit der Unternehmenssteuerreform 2008 wurde die Ansparabschreibung durch den neuen Investitionsabzugsbetrag ersetzt. Dadurch ergaben sich wichtige Änderungen. Der maximale Betrag für die vom Gewinn abgezogenen Beträge wurde im Zuge der Reform auf 200.000 Euro erhöht.

Die Investition muss innerhalb der folgenden drei Jahre nach der Geltendmachung des Abzugsbetrags erfolgen. Der Gesetzgeber verlangt, dass das Wirtschaftsgut entsprechend seiner Funktion bezeichnet wird (also zum Beispiel „Personaldatenerfassung“).

Zu jenem Zeitpunkt, an dem das Wirtschaftsgut gekauft wird, schlägt sich die Kaufsumme außerhalb der Bilanz nieder. Neu ist, dass die Anschaffung gleichzeitig als Betriebsausgabe angeführt werden kann. Die Anschaffung wirkt sich also nicht sofort auf den Gewinn aus, wenn der tatsächliche Kaufpreis dem prognostizierten Freibetrag entspricht. Der Betrag, der noch verbleibt, ist jetzt die AfA-Bemessungsgrundlage.

Die Anschaffung muss bis zum Ablauf des folgenden Wirtschaftsjahres überwiegend betrieblich genutzt werden. Der Gesetzgeber akzeptiert nur Investitionen, die zu 90 Prozent in einer inländischen Betriebsstätte eingesetzt werden. Das muss für jedes einzelne Wirtschaftsgut genau dokumentiert werden.

Was passiert bei zu hohen Rücklagen?

Was passiert nun, wenn ein Unternehmen zu hohe Rücklagen gebildet hat? Zu hohe Investitionsabzugsbeträge müssen nach einer bestimmten Frist aufgelöst werden. Die Erlöse erhöhen den Gewinn und damit auch die Steuerlast. Entscheidet sich ein Unternehmer, gar nicht zu investieren, wird der Investitionsabzugsbetrag rückgängig gemacht.

Was geschieht mit Investitionen, für die kein Abzugsbetrag geltend gemacht wurde? Nicht immer kann ein Unternehmen so vorausschauend wirtschaften, dass Investitionen schon lange vorher geplant werden. Manche Anschaffungen müssen kurzfristig passieren, ohne dass dafür extra Rücklagen gebildet werden.

Die Steuergesetzgebung berücksichtigt das auch nach der Reform. Unternehmer können in diesem Fall 20 % der Anschaffungskosten oder Herstellungskosten als Sonderabschreibung geltend machen.

Wenn es zu Steuernachforderungen kommt

Fehlen die Investitionen, steigt der Gewinn. Das kann zu einer nachträglichen Änderung bzw. Korrektur des Steuerbescheids führen. Die daraus resultierenden Steuernachforderungen werden mit 6 Prozent pro Jahr verzinst.

Besondere Bestimmungen für die Jahre 2009 und 2010

Das Konjunkturpaket im Kampf gegen die Folgen der Finanzkrise führt zu einer Art Sonderstatus für die Jahre 2009 und 2010. Für diese beiden Jahre gelten folgende Änderungen:

• Die Gewinngrenze erhöht sich von 100.000 Euro auf 200.000 Euro. Das trifft allerdings nur dann zu, wenn Gewinne durch eine Einnahmen-Überschussrechnung ermittelt werden.

• Das Betriebsvermögen für Bilanzierer darf in diesen beiden Jahren bis zu 335.000 Euro betragen (statt 235.000 Euro).

• Bei land- und forstwirtschaftlichen Betrieben erhöht sich der Wirtschaftswert auf 175.000 Euro (statt 125.000 Euro)

Investitionsabzugsbeträge bei einer unentgeltlichen Betriebsübertragung

Übergibt ein Unternehmer seinen Betrieb, kann auch sein Nachfolger von den bereits geltend gemachten Investitionsabzugsbeträgen profitieren. Diese müssen also nicht unbedingt vom Steuerpflichtigen selbst gemacht werden. Das stellt ein Urteil des BFH eindeutig fest.

Das gilt aber nur dann, wenn die Investitionen auch plausibel sind. Es muss also schlüssig sein, dass sie eine sinnvolle Vorsorge für die Zukunft des Unternehmens sind. Damit will der Gesetzgeber verhindern, dass Unternehmer noch rasch vor der Übergabe ihre Gewinne, bzw. ihre Steuerschuld durch Scheininvestitionen verringern.

Das Urteil des BFH im Detail

Die Entscheidung des Gerichts basierte auf dem folgenden Fall: Der Eigentümer eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebs übertrug seinen Besitz auf seinen Sohn. Das Finanzamt erkannte die noch vom Vater geltend gemachten Investitionsabzugsbeträge allerdings nicht an. Die Begründung: Der Vater hätte schon absehen können, dass er diese Investitionen nicht mehr selbst erledigen kann. Dagegen klagte sein Sohn als neuer Inhaber des Betriebs.

Das Finanzgericht wies seine Klage allerdings ab. Es teilte die oben genannte Auffassung des Finanzamts. Durch die geplante Erbfolge sei ganz klar gewesen, dass der alte Betriebsinhaber nicht mehr selbst die Investitionen durchführen werde.

Der BFH sah die Sachlage allerdings anders und hob das Urteil des Finanzgerichts auf. Es sah keinen Hinderungsrund dafür, Absetzbeträge geltend zu machen, wenn eine Betriebsübergabe ins Haus steht.

Zusammenfassung

  • Der Abzugsbetrag für Investitionen beträgt höchstens 40 Prozent der voraussichtlichen Kosten für die geplante Investition.
  • Der Investitionsabzugsbetrag zieht die Abschreibung von beweglichen Wirtschaftsgütern vor. Er gilt für noch nicht erworbene Güter, die in den folgenden 3 ahren gekauft werden sollen.
  • Verbucht wird der Betrag als „Investitionsabzugsbetrag“.
  • Es gibt drei Voraussetzungen, um für ein Wirtschaftsgut einen Investitionsabzugsbetrag zu beanspruchen: Die Privatnutzung darf nicht höher als 10 Prozent betragen. Die Absicht zu investieren muss in der Steuererklärung dem Finanzamt erläutert werden. Und es muss die maximale Höhe des Abzugsbetrags eingehalten werden (höchstens 200.000 Euro).

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