Gleichbehandlung durch häufigere Prüfung reicher Steuerbürger

Gleichbehandlung durch häufigere Prüfung reicher Steuerbürger

Glauben Sie den Recherchen von Kim Otto und Sascha Adamek, dann ist Deutschland eine wahre Steueroase für Reiche. Oder wie erklären Sie es sich, dass der mehrfache Multimillionär Klaus Barski laut eigenen Angaben nur 2.300,00 € an Einkommensteuer bezahlt.

Eine fünfköpfige Familie mit zwei Vollverdienern zahlt dagegen 16.000,00 € Einkommensteuer im gleichen Zeitraum. Der Grund: Sie sind Arbeitnehmer. Letzteren wird jeder Cent sofort abgezogen und ans Finanzamt überwiesen.

Wollen sie ihren Söhnen ein bisschen Vergnügen bieten, dann kostet dies eine Stange Geld. Steuermindernd wirkt das nicht!

Wieso reiche Steuerbürger häufiger geprüft werden sollten

Laut Otto und Adamek können Sie als Selbständige sogar so vergnügliche Dinge wie den Fitnesstrainer abschreiben. Jener stellt einfach eine Rechnung für ein Coaching aus und schon handelt es sich um eine steuermindernde berufliche Weiterbildung.

Bevorzugung wohlhabender Bürger

Die Gründe sind laut den Autoren hausgemacht: Die Finanzämter bauten seit Jahren Personal ab, die Technik sei veraltet und es gäbe Arbeitsanweisungen, die verhinderten, dass Millionäre richtig geprüft würden.

Hinzu käme, dass die Steuerfahndung Ländersache ist. Länder, die mehr Steuern eintreiben, müssen entweder mehr in den Länderfinanzausgleich einzahlen oder bekommen weniger aus Letzterem heraus.

Es soll sogar Arbeitsanweisungen geben, dass Steuernachzahlungen über 100.000,00 € nicht mehr verfolgt werden sollen. Unvergessen sind die vier Steuerfahnder, welche zwangsweise pensioniert wurden, nur weil sie ihren Job richtig machen wollten.

Heißt das, dass Sie umso sicherer sind, desto mehr Vermögen Sie anhäufen?

Keineswegs.

Da macht Ihnen der Bundesrechnungshof einen Strich durch die Rechnung. Jener kritisierte bereits im Jahr 2006, dass nur 15% der Steuerpflichtigen mit besonders hohen Einkommen geprüft werden.

Seit Einführung der Abgeltungssteuer sei die Zahl der Prüfungen jener Personengruppe rückläufig.

Daten und Fakten

Während im Jahre 2010 mit 1838 Prüfungen 404 Millionen an zusätzlichen Steuern und Zinsen eingenommen worden waren, waren es im Jahre 2014 nur noch 1.391 Prüfungen, bei denen 313 Millionen eingenommen wurden.

Dabei lässt sich einwandfrei feststellen, dass sich das Einkommen immer mehr konzentriert.

Besaßen die oberen 10% im Jahre 1998 noch 45,1% allen Nettovermögens, waren es im Jahr 2013 bereits 51,9%. Medienberichten zufolge würden Steuerpflichtige, welche zu diesem Personenkreis gehörten, im Schnitt nur alle sieben Jahre geprüft werden.

So wird es die Situation im Gesetzesentwurf der Bundesrepublik vom 7.7.2016 dargestellt.

Möglichkeiten

Als Lösung schlägt er eine alternativlose Änderung der Abgabenordnung vor, in der ein Mindestprüfungsintervall von drei Jahren festgelegt wird. Multimillionäre werden dann mindestens alle drei Jahre überprüft.

Einschätzung

Auch wenn das Gesetz durch den Bundestag kommt, bedarf es der Zustimmung des Bundesrats.

Die Einführung eines Mindestprüfungsintervalls von drei Jahren kann nur umgesetzt werden, wenn entsprechend mehr Betriebsprüfer eingesetzt werden.

Diese einzustellen, auszubilden und zu bezahlen ist Aufgabe der Länder. Deren Zustimmung gilt als wahrscheinlich, da schätzungsweise pro Prüfung 135.000,00 EURO eingenommen werden.

Die Kosten für die Betriebsprüfer werden damit mehrfach wieder eingespielt.

Es ist davon auszugehen, dass es noch eine Weile dauern wird, bis das über das Gesetz abgestimmt wird. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis es in Kraft tritt.

Sie sind selbständig und wollen sich vor bösen Überraschungen schützen

Auch wenn der Gesetzesentwurf nur Multimillionäre betrifft, sollten Sie als Selbständige(r) Ihre Steuern pünktlich und korrekt bezahlen. Sie riskieren sonst eine Haftstrafe.

Prominente Beispiele für solche Strafverfahren sind der ehemalige Chef der Deutschen Bundespost Klaus Zumwinkel und Uli Hoeneß.

Fazit: Es ist also längst nicht mehr so, dass es Reiche nicht treffen kann. Durch die Erfolge der letzten Jahre (Stichwort Steuer-CD) wurden die Finanzämter beflügelt und Sie sollten jederzeit damit rechnen, dass die Steuerfahnder an der Tür klingeln.

Der beste Schutz: Die ordentliche Dokumentation

Sind Sie selbständig, dann sollten Sie sich unbedingt mit Ihren Belegen und deren Dokumentation auseinandersetzen. Alle Belege in eine Schuhschachtel schmeißen und dann dem Steuerberater vor die Füße knallen, ist keine gute Idee. Dies wird teuer.

Der Steuerberater lässt sich für das Sortieren der Belege bezahlen. Außerdem sollten Sie unbedingt wissen, welche Belege Sie sammeln und dokumentieren müssen.

Beispiele

Sie sind Schauspieler auf freiberuflicher Basis und kaufen sich ein Kostüm, welches Sie nur bei einer Theateraufführung tragen können.

Dann ist es wichtig, das Kostüm und am Besten auch ein paar Fotos vom Auftritt in diesem Kostüm anzufertigen und dem Rechnungsbeleg beizulegen. Denn nur wenn Sie das Kostüm auf keinen Fall im Alltag tragen können, wird es vom Finanzamt anerkannt.

Der Kauf eines Smokings oder eines Abendkleides oder dessen Reinigung wird nicht anerkannt, da jene Kleidungsstücke auch bei anderen Gelegenheiten getragen werden können.

Auch bei der Wahl Ihres Geschäftsautos sollten Sie Augenmaß walten lassen. So kam es vor, dass sich ein Tierarzt einen Ferrari als Dienstfahrzeug zugelegt hat.

Das Finanzamt befand dieses Gefährt aber zu teuer und nicht angemessen. Es stellte die Nutzung als Dienstfahrzeug einer Tierarztpraxis in Frage. Der Wagen konnte nicht abgeschrieben werden.

Sie sehen anhand dieser Beispiele, dass es unbedingt notwendig ist, dass Sie sich mit der Materie auseinanderzusetzen. Auch der beste Steuerberater kann nicht für die Anerkennung der Belege garantieren, wenn diese nicht ordnungsgemäß gesammelt und dokumentiert werden.

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist, dass Sie immer einen Überblick über Ihre Einnahmen und Ausgaben haben.

Wie ein guter Steuerberater hilft

Ein Steuerberater kann Sie zunächst bzgl. des Sammelns von entsprechenden Belegen und der ordnungsgemäßen Dokumentation beraten. Selbstverständlich berät er Sie mit der Zielsetzung, möglichst viel Steuern zu sparen.

Der Steuerberater sorgt für eine pünktliche und fristgerechte Erledigung der Steuererklärung. Hierfür wird er bezahlt und für nichts anderes. Die Steuerersparnis ist ein Nebenprodukt. Dafür gibt es aber keine Garantie.

Ihre Aufgabe

Arbeiten Sie also mit dem Steuerberater zusammen. Auch der beste Steuerberater weiß nicht alles. Lassen Sie sich aus diesem Grund alles genau erklären.

Teilen Sie Ihrem Steuerberater alle Änderungen Ihrer finanziellen Verhältnisse zeitnah mit. Beispiele hierfür sind eine Erbschaft oder eine Änderung der familiären Verhältnisse.

Zusammenarbeit

Für die Fehler Ihres Steuerberaters haften erst einmal Sie. Selbstverständlich können Sie ihn verklagen. Aber dies kostet Zeit und Nerven und Sie müssen erst einmal Geld in die Hand nehmen. Der Ausgang eines solchen Verfahrens ist ungewiss.

Ein guter Steuerberater wird Ihnen alles verständlich erklären und geduldig auf Ihre Fragen antworten. Er bildet sich regelmäßig fort und gibt auch mal zu, wenn er etwas nachschlagen muss.

Solche vertrauensbildende Maßnahmen sind unerlässlich.

Auf diese Art und Weise erweitern Sie ständig Ihr Wissen über steuerliche Angelegenheiten. Außerdem behalten Sie immer einen Überblick über Ihre aktuellen Einnahmen und Ausgaben.

Gehören Sie bereits zum Kreis der von dem Gesetzesentwurf betroffenen Multimillionäre, haben Sie Letzteres wahrscheinlich schon immer getan.

Muss ich Bücher führen?

Solange Ihr Jahresumsatz unter 600.000,00 € und Ihr Gewinn unter 60.000,00 € bleibt, nein. Ansonsten Sind Sie verpflichtet, Bücher zu führen. Auch ohne Pflicht ist es ratsam, ordentlich Bücher zu führen.

Muss ich ins Gefängnis, wenn trotz allem ein Fehler festgestellt wird?

Nein. Betriebsprüfer sind sehr wohl in der Lage einen Fehler von einem groß angelegten Betrug zu unterscheiden. Haben Sie etwas zu viel abgeschrieben, dann wird eine Steuernachzahlung festgesetzt. Können Sie diese nicht sofort bezahlen, dann können Sie eine Stundung beantragen.

Kommunizieren Sie mit Ihrem Finanzbeamten

Genau! Machen Sie den für Sie zuständigen Finanzbeamten oder Finanzbeamtin ausfindig und reden Sie mit Ihm/Ihr. Dazu müssen Sie nicht unbedingt einen persönlichen Termin ausmachen.

Oft genügt ein Anruf. FinanzbeamtInnen sind sehr kooperativ und geben gute Tipps.

Zusammenfassung

Die Kommunikation mit Ihrem Finanzamt, die Zusammenarbeit mit einem guten Steuerberater und die ordentliche Dokumentation Ihrer Einnahmen und Ausgaben sind der Dreiklang, mit dem Sie vor unangenehmen Überraschungen bei der nächsten Steueraußenprüfung am sichersten fahren.

Hier nochmals die Tipps in der Zusammenfassung:

  • Heben Sie alle infrage kommenden Belege auf
  • Dokumentieren Sie alle Belege ordnungsgemäß
  • Heften Sie alles ordentlich und übersichtlich a
  • Behalten Sie den Überblick über Ihre Einnahmen und Ausgaben
  • Teilen Sie alle wichtigen Informationen regelmäßig Ihrem Steuerberater mit
  • Nehmen Sie sich Zeit und lassen Sie sich alles erklären
  • Kommunizieren Sie mit Ihrem Finanzamt
  • Seine Sie freundlich zu den Finanzbeamten!

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