Situation der „Limited“ Rechtsform nach Brexit

Situation der „Limited“ Rechtsform nach Brexit

Eine Limited oder kurz „Ltd“ ist ebenso wie die Public Limited Company eine Gesellschaftsform nach britischem Recht. Durch den Brexit könnten auf diese Unternehmen so manche Probleme zukommen.

Der EU-Ausstieg Großbritanniens trifft nicht nur kleine und mittlere Unternehmen. Auch große Unternehmen wie Air Berlin sind betroffen. Sie treten ebenfalls unter der Rechtsform einer Limited in Deutschland auf.

Was ist eine „Limited“?

Limiteds sind nach britischen Recht organisiert. Als Gesellschafter einer Ltd haften Sie nicht persönlich für allfällige Verluste. In diesem Punkt ähnelt sie also der deutschen GmbH.

Das britische Modell bietet aber noch einen weiteren Vorteil.

Als Gesellschafter müssen Sie bei der Gründung kein Stammkapital mitbringen. Das ist ein enormer Vorteil im Vergleich zu den Regelungen in Deutschland. Denn hier müssen Sie für eine GmbH mindestens 25.000 Euro aufbringen.

Gibt es in Deutschland viele „Limiteds“?

Gesellschaftsrecht-Spezialisten haben sich angesehen, wie viele Limiteds es in Deutschland gibt. Demnach waren 2016 rund 9000 Unternehmen als Limiteds registriert. Das sind etwas weniger als noch einige Jahre zuvor.

Können sich Unternehmen ein Gesellschaftsrecht aussuchen?

Als Unternehmen innerhalb der EU können Sie sich ein Gesellschaftsrecht aussuchen. Das hat mit der Niederlassungsfreiheit zu tun. Diese erlaubt Firmen in allen Mitgliedsstaaten die Gründung einer Niederlassung im EU-Land ihrer Wahl.

Ein nach britischem Recht gegründetes Unternehmen muss daher in Deutschland anerkannt werden. Das hat auch der EU-Gerichtshof bereits bestätigt.

Auch wenn das Unternehmen etwa in München oder Köln beheimatet ist, unterliegt es den in Großbritannien geltenden gesellschaftsrechtlichen Regeln.

Die Limited – ein Erfolgsmodell

Aus diesen Gründen wird die Limited in Deutschland nach wie vor geschätzt. Mit dieser Gesellschaftsform können Sie rasch und mit wenig Aufwand eine Gesellschaft gründen. Einschränkungen für die Arbeit der Firma in Deutschland gibt es dadurch nicht.

Daher habe auch viele kleine Unternehmen diese Gesellschaftsform gewählt.

Auch Start-ups profitieren. Die Gründer starten in die Selbständigkeit. Sie haften aber nicht mit ihrem Vermögen. So verlieren sie nicht ihr Hab und Gut, falls sich eine Geschäftsidee als Flop entpuppt.

Was bedeutet der Brexit für diese Unternehmen?

Die Zukunft der deutschen Limiteds nach dem EU-Austritt Großbritanniens ist noch unklar. Sie hängt von den Verhandlungen über den Austritt ab. Die Niederlassungsfreiheit soll ja nach Wunsch des Austrittskandidaten beibehalten bleiben.

In diesem Fall hätten auch die Limiteds in Deutschland in Zukunft keine Probleme.

Falls den Briten das nicht gelingt, wird es für deutsche Limiteds allerdings schwierig. Dann wäre diese Gesellschaftsform hierzulande nicht mehr so ohne weiteres gültig.

Die Limiteds würden dann wie eine offene Handelsgesellschaft oder eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts behandelt. Sie würden aber nicht mehr ähnliche Vorteile wie eine GmbH bieten.

Brexit könnte persönliche Haftung bringen

Für Sie als Gesellschafter würde sich dadurch viel ändern. Sie würden nach dem Brexit für die Verbindlichkeiten Ihrer Firma persönlich haften. Die Umwandlung der Limited zur GmbH kann das verhindert.

Doch das ist in der Praxis nicht so einfach. Zudem ist die komplizierte Umwandlung mit Kosten verbunden. Außerdem kann es zu Doppelgleisigkeiten kommen.

In Großbritannien würde die Firma auch weiterhin nach dem dort gültigen Recht behandelt. Experten fürchten, dass derartige Firmen eine Art „Zwitter“ wären. Die rechtliche und steuerliche Behandlung könnte dadurch sehr schwierig werden.

Noch ist vieles unklar

Auch Experten wissen noch nicht genau, wie es nach dem Brexit für die Limiteds in Deutschland weitergeht. Sie wurden wie viele andere vom Ausgang der Brexit-Abstimmung überrascht.

Daher gibt es noch keine Pläne für die Zukunft der Limiteds in Deutschland.

Die Unsicherheit unter den betroffenen Unternehmern ist groß. Wer betroffen ist, sollte die Entwicklung genau im Auge behalten. Eine Neugründung des Unternehmens in Deutschland ist eine mögliche Alternative.

Doch es gibt aktuell keinen Grund für sofortiges Handeln. Noch sind die Limiteds in Deutschland eine rechtsgültige Gesellschaftsform.

Viele mögliche Szenarien sind denkbar. Die Hoffnung auf eine für die deutschen Limiteds günstige Lösung ist groß. Schließlich sind auch sehr einflussreiche Unternehmen an einem positiven Ausgang interessiert.

Mehr Verwaltungsarbeit durch Brexit

Auf jeden Fall wird es durch den Brexit für Limiteds mehr Verwaltungsarbeit geben. Schon jetzt ist der bürokratische Aufwand für Nicht-EU-Unternehmen hoch. Sie müssen etwa bei den Steuern mehr administrative Hürden bewältigen.

Weniger Bürokratie dank eines Tochterunternehmens

Viele ausländische Unternehmen scheuen diesen hohen Aufwand. Sie gründen daher ein Tochterunternehmen in Deutschland. Das Tochterunternehmen ist weit handlungsfähiger.

Es muss sich nicht nach den oft komplizierten Regeln für Auslandsunternehmen richten. Der bürokratische Aufwand wird dadurch geringer.

Den Limiteds könnte es durch den Brexit ähnlich ergehen. Sie würden dann als Auslandsunternehmen eingestuft. Das bringt vielfache bürokratische Hürden mit sich.

Viele bislang ganz selbstverständliche Handlungen wären dann nicht mehr so ohne weiteres möglich. Die Limiteds könnten nicht mehr so ohne weiteres geschäftlich in Deutschland tätig sein.

Große Limiteds werden dieses Problem vermutlich durch die Gründung von deutschen Tochtergesellschaften lösen. Für kleine Limiteds ist das allerdings kein einfacher Ausweg.

Schließlich verschlingt die Gründung eines Tochterunternehmens viel Zeit und Geld.

Auch das Markenrecht tritt der Brexit

Viele deutsche Limiteds trifft der Brexit doppelt: zum einen durch die oben beschrieben Schwierigkeiten, zum anderen durch Änderungen im Markenrecht.

Die Harmonisierung des Binnenmarkts bietet beim Markenschutz viele Vorteile. Durch eine einzige Anmeldung beim europäischen Markenrecht ist die Marke in allen EU-Staaten geschützt. Auch in Großbritannien gilt dieser Schutz.

Der Brexit stellt das allerdings in Frage. Durch den Austritt könnte der Markenschutz im britischen Wirtschaftsraum wegfallen. Das verhindert eine Anmeldung der Marke in England. Diese Vorsichtsmaßnahme sollten Sie für Ihre Marke bereits jetzt ins Auge fassen.

Datenschutz und Verträge sind betroffen

Der Brexit wird sich für die deutschen Limiteds auch beim Datenschutz auswirken. Manche Regelungen könnten nach dem Austritt Großbritanniens nicht mehr so ohne weiteres gültig sein.

Das betrifft auch das Vertragsrecht und arbeitsrechtliche Bestimmungen. Hier wird vermutlich viel Arbeit auf Spezialisten für Vertragsrecht zukommen.

Rechtzeitig handeln

Noch sind die tatsächlichen Auswirkungen des Brexits für Limiteds in Deutschland unklar. Wer davon betroffen ist, sollte aber dennoch rechtzeitig planen. Die Umwandlung einer Gesellschaft braucht Zeit.

Ebenso die Gründung von Tochterfirmen oder die Verschmelzung einer Limited mit einer GmbH.

Das kann bis zu einem Jahr oder sogar noch länger dauern. Eine Überlastung der Behörden durch die vielen Änderungen ist denkbar.

Klug agierende Limiteds planen daher bereits jetzt mögliche Szenarien für den Fall der Niederlassungsfreiheit durch den Brexit.

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